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Südkurier-Leserbrief vom 18.Februar 2020

Andere Sichtweise zum Wettbewerb Untertorplatz

Die Bebauung dieser wichtigen Stelle für das Radolfzeller Stadtbild ist den entscheidenden Gremien so wichtig, dass man einen Architektenwettbewerb veranstaltete und zuvor einen Bürgerworkshop, bei dem sehr viele interessierte Radolfzeller mitarbeiteten. In allen Arbeitsgruppen war der Erhalt des Charakters unserer attraktiven Altstadt sehr wichtig.

Drei der ausgestellten Arbeiten im Untergeschoss des Österreichischen Schlösschens spiegeln das leider nicht wieder. Ohne Verbindung zur mittelalterlichen Altstadt oder den abwechslungsreich gestalteten Häusern vom Beginn des letzten Jahrhunderts sind vier bis fünf große, hohe Baukörper in den freiwerdenden Raum gesetzt. „Der Baustil passe sich gut der neuen Bebauung auf dem Schützenareal (früher Tanke) an“ lobte Thomas Nöken, der Leiter des Baudezernats, den 1. Preisträger.

Stadtrat Lehmann schränkte ein, dass man noch sehr an der Ausführung arbeiten müsse, damit der Besucher, der von der Altstadt kommt, nicht erschlagen wird von der größtmöglichen Höhenausdehnung ausgerechnet an dieser Stelle. „Keiner wolle einen zweiten Gerberplatz in der Stadt.“ Aber genau dieses Empfinden hat man, wenn man über die Entwürfe blickt, das ist nicht passend zur noch teilweise umgebenden Altstadt, die viele Radolfzeller erhalten wollen. Ist die Wirtschaftlichkeit, die OB Staab anmahnte, zu sehr im Vordergrund gestanden?

Anders ist die Arbeit des sehr renommierten Architekturbüros „Baumschlager, Eberle“ aus Lustnau (die Arbeit 0002, 3. Preis – es gab keinen 2. Preis). Schon das selbst gestellte Motto „Wie bauen die Stadt weiter“ sagt alles aus, denn dort ist die Anbindung an die Altstadt hergestellt, trotz moderner Bauweise: Die Satteldächer harmonieren mit der Umgebung, die Höhenangleichung ist berücksichtigt, durch Vor - und Rücksprünge sowie Verwinkelungen wirken die Fassaden lebendiger, die Wegführung passt sich organisch in die Umgebung ein. Besonders schön ist die Idee, den Mühlbach oberirdisch zu führen mit entsprechender Begrünung und Aufenthaltsmöglichkeit, ein besonderes, lebenswertes Plätzchen entsteht – für die Bürger der Innenstadt ganz wichtig. Auch in der Jury ist der Entwurf sehr positiv beschrieben:“ Ein wertvoller Beitrag von hoher stadträumlicher und architektonischer Qualität.“ Wenn man alle Modelle überblickt, hebt sich hier der Neue Untertorplatz, im Gegensatz zu den anderen Arbeiten, kaum von der umgebenden Innenstadt ab.

Mit diesem Entwurf (Baumschlager, Eberle, 0002) würde man den ausdrücklichen Wünschen der Workshopteilnehmer, der Mitglieder des Bürgerforum Bauen Radolfzell und sehr vieler Bürger gerecht werden. Machen Sie sich selbst ein Bild in der Ausstellung.

Brigitte Pucher, Radolfzell